Samstag, 29. Mai 2010

JURASSIC PARK


Das Film-Event der 90er ist, aus der Distanz betrachtet, nicht nur eine technische Pionierarbeit, sondern viel mehr das Meisterwerk des Blockbuster-Kinos.

Ein Milliardär hat eine Reihe von Experten auf seine Insel eingeladen, um sie mit dem Unvorstellbaren zu konfrontieren: Dank ausgefeilter Klontechnik zum Leben wiedererweckte Dinosaurier.

Man kann seine Augen nicht abwenden bei diesem Meisterwerk, dass ich bestimmt schon tausend mal gesehen habe und mitsprechen kann.
Ich liebe ja das europäische Kino und natürlich auch die Avantgarde, aber Spielbergs Dino-Thriller treibt mir immer wieder Staunen ins Gesicht. Er ist einer der guten Gründe warum Hollywood existiert und warum man sich nicht vor guter Unterhaltung fürchten sollte.

Die Handlung ist einfach und eine Art Abklatsch von Crichtons "Westworld". Sie ist nur Vehikel für eine Reihe von atemberaubenden Set-Pieces. Spielbergs Genie zeigt sich schon bei der Besetzung. Durch den Verzicht auf große Stars und durch den ausschließlichen Einsatz von Charakterdarstellern schafft er Nähe, da die Figuren authentisch gespielt werden und alle ihre kleinen Macken haben. Es wird ja oft auf den Figuren herumgestampft, ja wie flach sie doch seien. Die Zeichnung der Charaktere ist begrenzt, aber ausreichend. Spielberg nimmt sich viel Zeit am Anfang um die unterschiedlichen Figuren dem Zuschauer attraktiv zu machen. Dazu kommen die wohl besten Dialoge, die je in einem CGI-Blockbuster gesprochen wurden.

Um den ersten Saurier noch weiter hinauszuzögern präsentiert der Film zu Anfang auch seine Bio-ethische Fragestellung. Ob Leben kontrollierbar sei? Im Bezug auf die Klontechnik ist der Film für einen Blockbuster überraschend ausführlich und schafft es JEDEM die Idee vom Klonen zu erklären.

Sobald die Dinos von der Leine gelassen werden (und darauf hat der gierige Zuschauer gewartet) geht Spielberg gleich in die Vollen und wagt es den Zuschauer mit zwei Kindern allein im Wagen zurückzulassen, während ein T-Rex sein Interesse an der Karosserie bekundet.

Nach dem großen T-Rex-Beginn hört die Spannungsschraube aber nicht auf sich zu drehen. Jede darauffolgende Szene ist großes Suspense-Kino, was selbst Hitchcock nicht hätte besser machen können. Highlights sind die elektrisierende Kletter-Zaun-Montage und das Hide-and-Seek in der Edelstahl-Küche.

Im Gegensatz zu vielen anderen CGI-Blockbustern scheint JP nicht zu altern. Es ist erstaunlich wie gut sich die Effekte gehalten haben und wie bahnbrechend die Pionierarbeit damals war.
Krönender Abschluss dieser Tour-de-Force des Kinos ist die Filmmusik von John Williams, der mit seinem Score nicht nur Filmgeschichte geschrieben hat, sondern auch mit dem schönsten Walzer, der je in einem Thriller gespielt wurde, aufwarten kann. Harte Bläser, die Raptoren-Klänge intonieren, schnelle Streicher, die den nächsten Knall herbei musizieren. Hier sind Bild und Ton ein perfektes Paar.

Die eigentlichen Stars bleiben aber die Dinosaurier. Spielberg vertraut seinen Geschöpfen so sehr, dass er auf jedwede andere Ablenkung verzichtet. Ausgefeilte Kamerafahrten, expressives Lighting oder überschnelle Schnitte sucht man in JP vergebens. Hier sind die Computertricks das ausreichende Faszinosum und leider waren sie nie wieder so nützlich für die Erzählung wie in "Jurassic Park".

Wertung: 10/10 !


"Jurassic Park"
USA, 1993
Steven Spielberg
mit Sam Neill, Laura Dern, Jeff Goldblum


Den Film gibt es in bester Qualität in den unterschiedlichsten DVD-Editionen mit genügend Extras. Es bleiben praktisch keine Wünsche offen, bis auf die Blu-Ray-Fassung, die lässt noch auf sich warten.

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