Samstag, 29. Mai 2010

PUBLIC ENEMIES



Allen Unkenrufen zum Trotz, habe ich mich ins Kino gewagt um einen spannenden Abend im Umfeld von Johnny Depp, Christian Bale und Marion Cottilard zu verbringen, geleitet wurde das Ganze von Michael Mann, dem man ein gewisses Talent nicht absprechen kann, schließlich hat der Mann "Heat" auf die Leinwand gezaubert.

Überraschenderweise stellte sich die HD-Videoästhetik als geringeres Übel heraus als im Vorfeld von mir angenommen. Es ist sogar so, dass gerade der Gedanke ein Period Picture mithilfe moderner Kameratechnik zu filmen um es so zu sagen in unsere heutige Zeit zu holen, sich als der innovativste Kniff dieses Gangsterepos herausstellte.

Die Atmosphäre stimmte, ja gerade die Handkamera, die so mutig war, dem Zuschauer auch mal eine Form der Orientierung vorzuenthalten (Ausbrüche), trug ungemein dazu bei. Ja auch das Bildrauschen, die späten Schärfen, das half, das war neu und das ließ mich auch ein wenig besser die epische Länge "genießen". Warum sich aber der Kameramann (Legende: Dante Spinotti) dazu entschloss einen unangenehmen Grad an Bewegungsunschärfe zu zu lassen, bleibt mir ein Rätsel. Schwenks und schnelle Bewegungen sehen schecklich aus und bestehen nur aus einem unkenntlichen Brei aus Pixeln. Das hat nichts mit Doku zu tun, denn selbst da weiß man die Umlaufblende einzusetzen.

Dafür war die Soundmalerei, wieder Mann-typisch, hervorragend. Die Schüsse lauter als alles andere und die O-Töne authentisch und satt, vorallem in den Ausbruchsszenen wird dem Sounddesign ein beeindruckende Raum gegeben.
Leider zerstört Mann diese Authenzität, sobald er auf Musik zurückgreift. Denn was sich in diesem Film Soundtrack schimpft ist das seelenloseste und austauchbarste, was ich seit langem hören musste. Zum Schock lese ich dann in den Credits, dass der große Elliot Goldenthal das verzapft hat, traurig.
Gerade der Einsatz der Musik ist verherrend, da man ihn vorhersehen kann. Beispiel: Billie öffnet einen Brief von Dillinger aus dem Gefängnis. Was glaubt ihr? Natürlich setzt in diesem Moment ein sentimentales Geseiere ein.

Technisch überzeugt der Film also nur zur Hälfte. Ein gutes Kamerakonzept mit penetranter Bewegungsunschärfe und ein tolles Sounddesign mit miserabler Musik.
Was hat der Film inhaltlich zu bieten? Ich erinnere mich gerne an "Heat", der nicht nur technisch beeindruckend war, sondern auch inhaltlich. Leider packt PE das auch nicht ganz.

Johnny Depp ist weder fehlbesetzt, noch blass in der Rolle. Er ist das Beste, was der Film zu bieten hat. Obwohl es Mann nicht schafft der Figur genügend Tiefe zu geben (dafür braucht es mehr als eine mehr-schlecht-als-recht-Liebesgeschichte) gibt es Szenen (Polizeibesuch, Szene mit Bale, Kinobesuch mit Konterfei), wo man merkt wie gut er spielt, wie man förmlich in seinem Gesicht lesen kann, was er fühlt.
Erschreckend fällt da der Vergleich zu Bale aus. Hier haben die Autoren Scheiße gebaut. Bales Figur bleibt flach, vor allem weil wir nichts über ihn erfahren. Bale einzige Sätze beschrenken sich auf Sachen wie "Er ist da und da und du und du kommen mit mir!". Das kann man ja noch verschmerzen, wenn es Mann so angelegt hätte, dass es wirklich NUR um Dillinger geht und alle anderen nur Randfiguren bleiben. Denn hätte er aber auf die letzte Texteinblendung verzichten müssen. Es ist schon eine Frechheit einer Figur mithilfe eines unscheinbaren Satzes am Ende mehr Tiefe zu geben, als der Regisseur auf 2 1/2 Stunden zustande gebracht hat. Vielleicht hätte Mann Bale auch eine Regieanweisung mehr geben sollen außer: "Du bist cool und fühlst dich überlegen und lächelst suffisant."
Dieser Special Agent war anscheinend ein verzweifelter Mann, vielleicht sogar interresanter als Dillinger. Davor hatte Mann womöglich Angst.
Die arme Marion Cottilard bleibt das "Love Interest" wie es im Buche steht. Ihre einzige gute Szene bleibt das Verhör auf dem Polizeirevier.

Ich bin gespannt was Mann als nächstes aus dem Hut zaubert. Sein PE wirkt wie ein hohler Abklatsch von "Heat", mit guten Schauspielern in schlechten Rollen. Hoffentlich hat sich sein Kino nicht schon selbst entleert.


Wertung: 4,5/10


"Public Enemies"
USA, 2009
Michael Mann
mit Johnny Depp, Marion Cottilard, Christian Bale


Auf DVD & Blu-Ray erhältlich.


Keine Kommentare:

Kommentar posten