Mittwoch, 16. Juni 2010

TO LIVE AND DIE IN L.A.



Ein begabter Künstler verbrennt seine Bilder, weil er sie nicht für gut genug hält, obwohl viele etwas anderes sagen, für ihn sind sie es nicht. Er hört zwar auf "seine" Bilder zu malen, aber er hört nicht auf Künstler zu sein. Er sucht sich eine andere Herausforderung. Er fängt an Geld zu drucken, es nachzuahmen, zu imitieren, was weitaus schwieriger sein kann als "eigene" Bilder zu malen. Die perfekte Kopie als Kunstwerk. Ein lukratives Geschäft noch dazu und dennoch, wenn der Schwindel droht aufzufliegen, endet auch das im Feuer. Alles endet im Feuer!

Diese paar Zeilen charakterisieren einen faszinierenden Schurken, gespielt von Willem Dafoe, aus William Friedkins Polizei-Epos "To Live And Die In L.A.". Die relativ einfache Handlung über einen Cop, dessen Partner von einem Geldfälscher ermordet wird und deshalb Rache schwört, vergrößerte Friedkin mit der Kameralinse auf epische Ausmaße. Dieser Film lebt von seinen Fußnoten, Randgeschichten und Nebenfiguren, besonders von Willem Dafoe, ebenso von seinem Stadtbild und Zeitkolorit.

Los Angeles ist hier Dantes glühendes Inferno, eine Industrie- und Autobahnhölle. Keine romantischen Hollywood-Hills und verzierten Sunset-Boulevards mehr, sondern staubige, breite Straßen, flirrendes Rotlicht, Prostitution, Kunst, Drogen, Kriminalität vermengt in einem Konzentrat, was sich Leben nennt.

Dabei bleibt der Film eine Liebeserklärung an seine Stadt ohne sie zu glorifizieren. Friedkin zeigt L.A. so wie es war, ein anonymer, pumpender Moloch, in dem geliebt und getötet wird. Dazu lieferte Robby Müller die passenden dokumentarisch-anmutenden Bilder. Hitzflimmern bei Sonnenuntergang, wacklige Zoom-Aufnahmen von Elektrizitätswerken, jedes Bild scheint mit einem Maximum an Atmosphäre aufgeladen, als wäre die Luft wie Gelantine, als könnte alles im nächsten Moment vor Erschöpfung zusammenbrechen.

Die Handlung verläuft chronologisch ebenso einem Nullpunkt entgegen, ganz wie es sich für eine Tragödie um Rache, Verrat und Täuschung gehört, die nur zufällig im Cop-Millieu spielt. Schon von Anfang an, weiß man wie dieses Todesroulette endet.

Von der grandiosen Vorspann-Sequenz bis zum allesverschlingenden Feuer, zeigt der Film nichts anderes als eine tiefe Bewunderung für das Endliche, das Nicht-Absolute, das Nicht-Perfekte, das respektabel Menschliche.

Wertung: 8/10


"Leben und Sterben in L.A."
USA, 1985
William Friedkin
mit William Petersen, Willem Dafoe, John Turturro



Auf DVD & Blu-Ray in sehr guter Qualität, aber leider ohne Extras, erhältlich.


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