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Mittwoch, 26. Januar 2011

BLACK SWAN


Darren Aronofskys neuer Film zeigt uns Natalie Portman in Höchstform und verfehlt seine filmische Wirkung nicht, obwohl es genug Gründe dafür gäbe.

Nina ist eine ehrgeizige und leidenschaftliche Ballett–Tänzerin, die ihr Leben ausnahmslos ihrer Arbeit an der New Yorker Ballet Company widmet. Als die Rolle der Primaballerina für die Produktion des Klassikers Schwanensee neu besetzt werden soll, wird Nina vom Regisseur favorisiert. Sie bekommt jedoch schnell Konkurrenz durch die jüngere Lily, die zwar technisch schwächer ist, aber eine Leichtigkeit besitzt, die sich nicht mit Übung erreichen lässt. Zwischen den beiden entsteht eine außergewöhnliche Beziehung, die zur Zerreißprobe für Nina wird. Immer intensiver lernt sie die düstere Seite ihres Selbst kennen, das ihr bedrohlicherweise immer ähnlicher wird.

Als ich mir das erste mal den Trailer angesehen habe, hatte ich ehrlich gesagt gar keine Lust mir den Film anzusehen. Nun gut, "The Wrestler" fand ich sehr gut und Natalie Portman passt einfach hervorragend in diese Rolle, aber ehrlich gesagt, dachte ich mir schon damals: "Hä? Da ein bisschen Cronenberg und hier ein bisschen Powell & Pressburger." Letztendlich habe ich meine Meinung geändert, da mir die Kontroverse um den Film gefiel, ich Ballet-technisch ein Noob bin und die Portman eine Kinokarte wert ist.

"Black Swan" kann man nur als organisches und ebenso weibliches Gegenstück zu Aronofskys Vorgängerfilm lesen. Beide Filme sind rein postmoderne Erzeugnisse. Die Handlung ist auch hier nur ein Lego-Konstrukt aus bekannten Motiven. Wichtig ist nicht was erzählt wird, sondern wie man es macht. "The Wrestler" hatte durch seinen starken Charakterdarsteller und die unkontrollierte Dramaturgie, einen viel stärkeren naturalistischen Touch. "Black Swan" ist dagegen reines Genre, pure Fiktion und künstlich wie Pop-Musik, weitaus kommerzieller, aber auch unterhaltsamer. Während "The Wrestler" wie ein leicht unterkühltes Reifezeugnis eines geläuterten Regie-Heißsporns wirkte, revidiert Aronosky mit "Black Swan" alle Vorurteile und zeigt mit viel Mut zum Pathos und dem Einsatz hoher kinetischer Energien, dass freudlose Erzählungen nicht sein Ding sind.

Wer sich allerdings in Genren bewegt, muss vieles beachten und vorsichtig sein. Natürlich, kann kein Filmemacher über Nacht zum Horror-Meister mutieren, aber was uns Aronofsky in diesem Film öfter für altbackene Tricks aus der Mottenkiste präsentiert, grenzt schon an eine Parodie. Plötzlich auftauchende Schatten und das illustrative Schäppern auf der Ton-Spur haben mich eher belustigt als gegruselt. Besonders die erste Filmhälfte versucht so möglichst viel Aufmerksamkeit zu erhaschen, aber das ist letztendlich doch nur peinlich.

Ein anderer auffälliger Punkt ist die Dramaturgie. "Black Swan" ist herrlich chronologisch aufgebaut, mit einem bewährten Standard-Spannungsbogen, dazu die mustergültige Exposition am Anfang plus großer Klimax. Dahinter steckt entweder ein großer Schuss Naivität und somit eine große Offenheit des Regisseurs oder die Angst es dem Zuschauer zu schwer zu machen. Mit Arthouse hat das alles nichts zu tun. "Black Swan" mag ein Independent-Film sein, aber dabei ist er stets höchst hollywoodesk und durch und durch ein Unterhaltungsfilm. Allerdings, was heißt schon Unterhaltung? Ihr wisst was ich meine. Der Film ist Kunst-Trash. Ein total unvernünftiger High-Concept-Schwachsinn. Wie einfach kann es ein Regisseur seinem Publikum machen, seinen Film rational zu zerreißen? Seht euch "Black Swan" an.

Ich rate euch einfach dazu, eure Gehirne an der Kasse abzugeben. Denn nur so lässt sich meine überaus hohe Wertung erklären. "Black Swan" ist nämlich ein weiteres gutes Beispiel für die Kraft des Regisseurs. Mag das Drehbuch noch so schwach sein, wenn die Besetzung und die Umsetzung stimmt, dann kann man nur gewinnen. Denn abgesehen von den peinlichen Billig-Erschreckmomenten, trifft "Black Swan" genau da, wo es weh tut, mitten ins Herz. Man kann sich so wunderbar auf den Weg der Interpretationen begeben und die Metaphern entschlüsseln, die Coming-of-Age-Story durchleuchten und sich dem sexuellen Sub-Text mit orgiastischer Prosa nähern, aber dass bringt alles gar nichts. Es bringt auch nichts über die wunderbare Kamera zu schreiben, die sogar "The Wrestler" toppt, Mut zu mehr Korn zeigt und es auch schafft Ballet-Tanz mit nie dagesehener Dynamik zu filmen. Man wird auch nicht schlauer, wenn man Zeilen darüber liest, wie grandios Frau Portman spielt. Ebenso hat es keinen Sinn zu hinterfragen warum sie neuerdings so gebasht wird. Dabei ist sie doch schon seit "Léon" ein großes Talent und tut alles Erdenkliche um interessante Rollen zu bekommen und um von ihrem schönen Model-Typ weggecastet zu werden. Der Körperfaschismus macht dann auch vor Filmfiguren nicht halt, die dann neuerdings auch Vorbildfunktionen haben und nicht zu dünn, nicht zu dick und nicht zu drogensüchtig aussehen dürfen. Wie schon gesagt, das bringt alles nichts, wenn man es schreibt, aber ich mache es trotzdem.

Natürlich wird die Portman den Oscar bekommen, eben auch weil sie ihn verdient hat, denn ganz egal, ob Plagiat, Trash oder Porno, gutes Schauspiel bleibt gutes Schauspiel und in "Black Swan" schien sie nie besser besetzt. Ihre Darstellung trifft direkt ins Herz, um mich mal zu wiederholen. Alles an "Black Swan" trifft ungemütlich. Man kann sich diesem Wust an Energie nicht leicht entziehen. Es ist dieser Pathos und diese bittersüße Künstlichkeit, Mansells und Tschaikowskys Score, die Verwandlung, die Bilder, alles auf einmal, Kino halt.

Wertung: 7/10



"Black Swan"
US 2010
Darren Aronofsky
mit Natalie Portman, Vincent Cassel, Mila Kunis



Nur im Kino!

Donnerstag, 21. Oktober 2010

THE FOUNTAIN


In seinem 3. Film lässt Aronofsky Hugh Jackman und Rachel Weisz nach der ewigen Liebe suchen und findet doch nur triefenden Kitsch.

Kino hat selten mit Schauwerten zu tun. Bei allem was gezeigt wird, interessiert oftmals mehr das, was nicht gezeigt wird. Es gibt ja den geläufigen Begriff "unverfilmbar". Das ist Quatsch. Unkreative Menschen ohne Fantasie bezeichnen Filmstoffe (z.B. Romane) dann als "unverfilmbar", wenn das geschriebene Wort nicht direkt -ohne interpretative Umwege- in Bilder umsetzbar ist. Das wird gerne bei komplexen Gedanken oder Sinneseindrücken fern der Augen und der Ohren behauptet. Warum schafft es aber eine Feder dies darzustellen? Weil sie verwandelt, interpretiert und abstrahiert. Wörter sind nichts anderes als Abstraktionen der Wirklichkeit. Die guten Filme wandeln das "Unverfilmbare" in Bilder um, die nicht nur zeigen, sondern eher anregen zum inneren Sehen. Es geht nicht wirklich um das, was ich sehe, sondern eher um das was das Gezeigte in mir auslöst. Nur so gelingt es das nicht-gegenständliche, das metaphysische, das surreale zu verfilmen.

Würde man das Drehbuch zu "The Fountain" lesen, käme schnell das Wort "unverfilmbar" in den Sinn. Wie schon gesagt, das ist Quatsch. Man hat verschiedene Möglichkeiten es darzustellen. Aronofsky hat es falsch gemacht. Gerade die Zukunftsepisode entbehrt jeglicher Interpretation. Sie besteht aus hohlen Bildern, die Sinn ergeben sollen. Die esoterische/buddhistische Bildsprache trieft vor Kitsch, da der Regisseur versucht mit bewährten Tricks das Unzeigbare zu zeigen. Selten wagt es der Film seine wahrhaft großen Themen filmisch zu umschreiben, sie verständlich zu interpretieren. Er zeigt sie einfach mit allen Mitteln der CGI-Technik. Wie ein kleines Kind, was mit Buntstiften Gott malt. Wen interessiert das schon?

Nur in der Gegenüberstellung der 2 weiteren Epochen gelingen die guten Momente des Films. Wenn Aronofsky z.B. ein und die selbe Kamerabewegung 3-mal benutzt. Da ergeben sich Gleichnisse und Umschreibungen zu denen nur der Film in der Lage ist.
Trotz des hohen Budgets kommt das Szenenbild eher kläglich daher. Vieles wurde nachträglich digital eingefügt um sich die teuren Studiobauten zu sparen. Dabei hätte eine Waldlichtung mehr den südamerikanischen Dschungel ganz anders aussehen lassen.

Es gibt eigentlich nur eine Szene, die filmisch gelungen ist. Das ist die Audienz bei der spanischen Königin, der edle, geheimnissvolle Thronsaal mit den vielen hängenden Kerzen, den Säulen und dem Käfig der Königin, Rachel Weisz Gesicht hinter den Mustern, wunderschön. Obwohl der Dialog zwischen Herrscherin und Ritter rein handlungsoriertiert bleibt und schwerlich als Poesie bezeichnet werden kann, zeigen die beiden Hauptdarsteller hier ihr wahres Können. Eine tiefe innige Verbundenheit, eine Liebe, die keine sein kann, das alles vermitteln die beiden Schauspieler nur über ihre Augen und Aronofsky findet die richtigen Bilder sie in Szene zu setzen.

Es ist schade wie vergeudet der Rest des Films dabei wirkt, mit seiner schwerfälligen Symbolik und aufdringlichen Ernsthaftigkeit. Hier sind eindeutig die Regie-Pferde mit Aronofsky durchgegangen. Einzig die Filmmusik bleibt auf hohem Niveau und arbeitet mit der angemessenen Abstraktion. Sie vermittelt ohne zu zeigen.

Wertung: 4,5/10


"The Fountain"
USA, CH, 2006
Darren Aronofsky
mit Hugh Jackman, Rachel Weisz, Ellen Burstyn


Auf DVD und Blu-Ray erhältlich!